Twitter – Kommunikationsform oder Hintergrundrauschen?

Nicht mehr neu, hat Twitter wohl inzwischen den Mainstream erreicht. Heise kündigt einen Artikel in seinem Magazin iX zum Micro-Blogging an – Titel: Micro-Blogging ist mehr als ein Modetrend. Damit wäre es amtlich.

Der Online-Dienst Twitter generiert eine sogenannte Micro-Blogging-Seite, auf der User, einmal registriert, mit maximal 140 Zeichen Informationshäppchen publizieren können. Und das nicht nur über diese Webseite, sondern über verschiedene mobile Kanäle. Diese Art Newsticker wird nicht nur bei halbwüchsigen Online-Junkies und in Web-2.0-Zirkeln immer beliebter. In vielen Unternehmen ist Twitter für den täglichen Kommunikationsfluss – insbesondere bei der Projektarbeit – bereits eine ernstzunehmende Alternative zur offiziellen E-Mail. Auch Nachrichten-Sites wie der Welt-Ableger Welt kompakt oder CNN twittern und liefern Informationshäppchen aus der Redaktion in Form eines Micro-Blogs.

Ich habe mir mal diverse Twitter-Informationshäppchen angelesen, bei Welt kompakt z.B. und in diversen Blogs. Der Informationsgehalt tendiert in den meisten Fällen gegen Null. Wenn ich lese, dass der Absender gerade in Barcelona gelandet ist, eine halbe Stunde später im Hotel eincheckt und sich frisch macht, dann sind das natürlich schon in gewisser Weise Informationen, aber aus meiner Sicht haben diese Meldungen lediglich eine soziale Komponente für den Absender. Mangels Ansprechpartner vor Ort, werden die räumlich nicht vorhandenen Freunde und Bekannten mit small talk bedacht und vermitteln dem Absender eine Art Beisammensein. Insoweit i.O., da diese Freunde und Bekannten ja selbst entscheiden können, ob sie diese Meldungen empfangen wollen; allerdings verstehe ich nicht, warum Twitter-Meldungen weltweit gestreut werden – über Websites oder durch offene Einbindung in Blogs. Die nächste Stufe wäre die Übertragung des gesamten Tagesablaufs in Bild und Ton mittels Webcam (wahrscheinlich gibt es das auch schon irgendwo?).
Wenn ich dann den Tagesablauf eines Freundes (oder mehrerer!) verfolge, komme ich nicht mehr zu einem eigenen Leben. Da das niemand will und macht(?), werden die Twitter-Meldungen zum Hintergrundrauschen, zu dem, was ‘twitter’ auch in der Übersetzung bedeutet: Geschnatter, Gezwitscher.

Damit das nicht in den ‘falschen Hals’ kommt – jeder entscheidet für sich selbst, ob er twittert oder nicht und ich nehme hier auch keine moralische Bewertung oder gar Verurteilung vor – es geht mir ums Verstehen.

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