Sep 29 2009

Schwund ist einkalkuliert?

von oldman

Es wurden 22.000 Stellen gestrichen und 7000 Mitarbeiter versetzt. Ist das eine Meldung wert? Sicher nicht, denn es ist ein ganz normaler Vorgang in der heutigen Zeit. Man muß flexibel sein, oder? Die, die nicht entlassen werden, stehen unter großem Arbeitsdruck oder werden gemobbt.
Aber dann die Reaktion der betroffenen Menschen – zahlreiche Selbstmorde bei der France Télécom beunruhigen sogar die Regierung.

Sie forderte die Unternehmensleitung zum Dialog mit den Mitarbeitern auf. Künftig sollen die Betriebsärzte – soweit es die Schweigepflicht erlaubt – psychisch labile Mitarbeiter melden.

Das ist sicher einfacher, als an den auslösenden Umständen etwas zu ändern. Was geschieht dann mit diesen Mitarbeitern?


Jul 27 2009

Manager wird von Arbeitern erschlagen

von oldman

Dies ist kein Aufruf zur Gewalt und keine Befürwortung von Gewalt. In Zeiten wie diesen, verschieben sich anscheinend die Relationen.

Der Staatsbetrieb Tonghua soll vom Privatkonzern Jianlong geschluckt werden. 30.000 Jobs sind gefährdet. Doch aufgebrachte Tonghua-Arbeiter protestierten dagegen und erschlugen den Jianglong-Chef.

So geschehen in China. Die geplante Fusion wurde daraufhin erst einmal auf Eis gelegt.


Jun 14 2009

Deutschland ist schön. Und gierig.

von Michael

Es ist was los in unserem Land. Opel bekommt seine verdiente Staatsbürgschaft und freut sich, nicht jetzt in die Insolvenz gehen zu müssen, sondern erst in 2-3 Jahren. Arcandor kriegt nix. Eine Karstadtmitarbeiterin, nennen wir sie einfach mal Frau Meier, obwohl sie eigentlich Busch heisst, stellte als Ursache die kühne These auf, dass bei Opel hauptsächlich Männer beschäftigt seien und bei Karstadt Frauen. Kann man (oder frau) so sehen. Muss man aber nicht.

Wenn man den Worten des sich erst seit 3 Monaten im Amt befindenden Vorstandsvorsitzenden Karl-Gerhard Eick lauscht, so erfährt der Bürger, dass es sein primäres Ziel sei, möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten. Wunderbar. So wünscht man sich eine Führungsposition. Nichts anderes im Sinn, als die geliebten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und das, obwohl der Urgedanke eines wirtschaftlich orientierten Unternehmens keineswegs das Wohl der Angestellten, sondern eher Macht und möglichst hohe Gewinne beinhaltet.

Oder haben Sie sich einmal gedacht: „Jetzt gründe ich eine eigene Firma, weil ich so viel Spass an Mitarbeitern habe.“ Mitarbeiter sind das notwendige Übel aus der Sicht der Wirtschaftsunternehmen, auch wenn sich die Anzahl der Erwerbstätigen im Laufe der letzten Jahrzehnte durch Automatisation und Rationalisierung erfreulich verringert hat.

Firmeninhaber haben nur Eines im Sinn: Geld verdienen. Mit welchen Mitteln ist zweitrangig. Jeder halbwegs gescheite Unternehmer würde noch den letzten Mitarbeiter skrupellos vor die Tür setzen, wenn eine Maschine seine Arbeit kostengünstiger bewältigen würde. Oder warum verlagern immer mehr europäische Firmen ihre Produktion nach China? Wegen des schönen Wetters? Des milden Klimas? Oder vielleicht doch eher aufgrund der Möglichkeit, Menschen gefühllos ausbeuten zu können?

Sowohl unsere eigene Vollkasko-Grabsch-Mentalität, als auch der (natürliche) Unternehmerinstinkt, mehr und mehr Geld verdienen zu wollen, führen zwangsläufig in die scheinbar totgelaufene, kapitalistische Sackgasse. Vielleicht eine Möglichkeit, sich wieder mehr auf altmodische Tugenden, wie Bescheidenheit, Eigenverantwortung und sozialer Gerechtigkeit zu besinnen.


Okt 9 2008

Was soll der Urlaubsverzicht bei SAP bringen?

von oldman

Infolge der Finanzkrise kriselt es jetzt auch bei SAP. Der SAP-Umsatz mit Softwarelizenzen und -services ist um 16 bis 17 Prozent auf 2,01 bis 2,02 Milliarden Euro gestiegen. Laut Prognose von Ende Juli 2008 sollten 24 bis 27 Prozent erreicht werden.
Ein Korb voller Maßnahmen soll zuerst einmal Kosten sparen. Dazu gehört auch folgendes:

Jedes Vorstandsmitglied verzichtet auf zehn Urlaubstage, die Mitarbeiter könnten sich dem anschließen.

Mal abgesehen davon, daß der Urlaub der Regeneration dienen soll und grundsätzlich ein Urlaubsverzicht oder eine Auszahlung der Urlaubstage nicht sein soll, stellt sich die Frage, was der Verzicht bringen soll.
Der Umsatz’einbruch’ resultiert daraus, das die Kunden die Produkte nicht wie geplant kaufen, die Serviceleistungen nicht wie geplant abrufen.
Wenn die Mitarbeiter jetzt 10 Tage weniger Urlaub machen, also 10 Tage mehr arbeiten, entstehen doch noch mehr Produkte, die nicht abgesetzt werden, steht noch mehr Serviceleistung zur Verfügung, die nicht abgerufen wird,oder?
Eine verständliche Maßnahme wäre, den Mitarbeitern zusätzliche unbezahlte Urlaubstage anzubieten.


Sep 27 2008

Mit e-mails wird mehr gelogen?

von oldman

In E-Mails wird wesentlich mehr geschwindelt und gelogen, meinen US-Wissenschaftler herausgefunden zu haben (schreibt George W. Bush E-Mails?).
E-Mails seien zudem die Kommunikationsform am Arbeitsplatz, der man am wenigsten vertrauen könne, weil man nicht den “Luxus” hat, nichtverbale Hinweise beobachten zu können, was großen Spielraum für absichtliche Täuschungen gibt. Das trifft allerdings für sämtliche schriftlichen Mitteilungen zu.
E-Mail-Kommunikation reduziert allerdings in Arbeitsbeziehungen im Gegensatz zu Mitteilungen auf dem Papier Vertrauen und Kooperationsbereitschaft mehr. Erklären können die Wissenschaftler aber den Unterschied nicht.

Also mal wieder eine Meldung, die erst mal nur Verwirrung stiftet. Erklären kann man die Ergebnisse nicht, aber sie werden trotzdem veröffentlicht. Was fange ich jetzt damit an? Soll ich denn E-Mails, die ich im Berufsleben erhalte, jetzt mehr misstrauen? Ist diese Meldung ein Grund mehr, E-Mails einfach zu löschen ;-) , was schon mal ein positives Ergebnis wäre und mir nach 2 oder 3 Wochen Urlaub viel Entlastung verschaffen würde! Ich könnte dann behaupten, ich hätte die E-Mail nicht bekommen – aber das wäre ja auch schon wieder eine Lüge!

Via heise online


Apr 6 2008

Unabhängig, aber von ALDI gesponsert?

von oldman

Ist eine Arbeitnehmervertretung, die sich als “unabhängig” bezeichnet noch unabhängig, wenn sie von ALDI Zahlungen erhält?
Die AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger) bezeichnet sich selbst als ‘überparteilich, unabhängig, überbetrieblich und bundesweit tätig’. Nach allem was man jetzt sie zu dieser Arbeitsgemeinschaft liest, scheint nur ‘überbetrieblich’ und ‘bundesweit’ zuzutreffen.

Schon im Siemens-Schmiergeldskandal negativ aufgefallen (AUB-Chef Schelsky wurde verhaftet. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue und diverser Steuerstraftaten ermittelt. Er soll von Siemens Millionenzahlungen erhalten haben.), wird jetzt bekannt, das ALDI einen AUB-Mitarbeiter mit 120.000 Euro pro Jahr finanzierte. Da wird es mit ‘unabhängig’ und ‘überparteilich’ nicht allzuweit her sein.

Interessant ist auch, mit welchen Mitteln die Arbeitgeber versuchen, Einfluss auf die Arbeitnehmer auszuüben. Es reicht anscheinend nicht, über die Arbeitgeberverbände tätig zu werden – nein, es wird versucht, auf aus meiner Sicht dubiosen Wegen, die Gewerkschaftsarbeit zu schwächen.
Auch bei der Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste ist man diesen Weg von Arbeitgeberseite schon gegangen.

Quelle und weitere Informationen:
Verdeckte Einflussnahme auf Arbeitnehmerorganisationen – Auch Aldi soll AUB finanziell unterstützt haben

Update 07.04.2008
Zum Seminar nach Eggersdorf
Der Berater, den der Aldi-Konzern verdeckt finanzierte, bietet noch immer Schulungen für die Arbeitnehmerfunktionäre an.
Zahlungen an Arbeitnehmerorganisation
Ver.di will Aldi anzeigen


Apr 5 2008

Lidl arbeitet mit ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten zusammen

von oldman

Das Image von Lidl ist durch die Video-Überwachungsaffäre stark beschädigt. Der Discounter nimmt das sehr ernst und erstellt jetzt mit dem ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob ein neues Überwachungskonzept. Das dies erforderlich ist, beweisen weitere Meldungen.

Video-Überwachung ist laut Lidl unabdingbar, um Betrugs- und Raubüberfälle aufklären zu können. Diese soll aber künftig – und das ist der Unterschied gegenüber der bisherigen Praxis – offen geschehen. Zusammen mit dem ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob entwickelt Lidl jetzt ein neues Überwachungskonzept.
Die Überwachungen von Beschäftigten bei Lidl sowie bei Edeka und Plus sind nach Ansicht des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar keine Einzelfälle; und nicht nur bei Lidl geschieht dies heimlich.

Datenschutz ist, wie diese Meldung zeigt, auch bei Lebensmittelhändlern ein heisses Thema. Bei einem US-Lebensmittelhändler wurden 4 Millionen Kreditkarten-Datensätze gestohlen.

Im Zuge der Video-Überwachungsaffäre warnen Verbraucherschützer davor, beim Lebensmitteldiscounter Lidl mit der EC-Karte zu zahlen, da offenbar die Kameras in den Filialen theoretisch in der Lage sind, die Eingabe des Pin-Codes zu erkennen. Dies würde allerdings auf Video-Überwachungen in anderen Handelsbetrieben ebenfalls zutreffen.

Quellen und weitere Informationen:
Datenschützer entwickelt mit Lidl neues Videoüberwachungs-Konzept
Mitarbeiter-Bespitzelung im Handel: Auch Edeka und Plus im Visier
4 Millionen Kreditkarten-Datensätze bei US-Lebensmittelhändler geklaut
Verbraucherschutz: Vorsicht vor EC-Kartenzahlung bei Lidl


Mrz 21 2008

Wem steht das Trinkgeld zu?

von oldman

Bisher habe ich mir darüber eigentlich nie Gedanken gemacht. Wenn ich nett bedient worden bin, dann gebe ich Trinkgeld und das bekommt dann auch die Bedienung. So ist meine ‘Vorstellung’ von Trinkgeld.

Nun lese ich hier, dass dem nicht unbedingt immer und überall so ist.

Die Kaffeehaus-Kette Starbucks soll mehr als 100 Millionen Dollar aus Trinkgeld-Erlösen an ihre Angestellten neu auszahlen. Wie eine Richterin in San Diego entschied, ist die Einbeziehung des leitenden Personals in die Trinkgeld-Verteilung unrechtmäßig.

Demnach wird (zumindest bei Starbucks) auch das leitende Personal in die Trinkgeldverteilung mit einbezogen. Das Servierpersonal klagte gegen diese Praxis mit dem Argument, dass damit die Arbeitskosten des leitenden Personals durch die untersten Einkommensgruppen “subventioniert” würden.
Wie ist das eigentlich hier in Deutschland in der Gastronomie? Läuft das hier ähnlich?

Starbucks hat gegen das Urteil Berufung eingelegt – es ist zu ‘klassenkämpferisch’.