Jan 16 2010

Karneval, die katholische Kirche und ein Karnevalsprinz moslemischen Glaubens

von oldman

Die Bonner haben ein Karnevalsprinzenpaar. Das muss so sein, wir sind schließlich im Rheinland. Karnevalsprinz ist in diesem Jahr Amir Shafaghi; er ist persischer Herkunft und moslemischen Glaubens. Den Karnevalisten macht das nichts aus – sonst hätten sie ihn wohl nicht zum Prinzen gewählt. Die katholische Kirche ist da ein Schlag härter.
Zum üblichen Karnevalsgottesdienst darf er – anders als die Prinzen der früheren Jahre – nicht reden. Er ist halt Moslem und da versteht die katholische Kirche keinen Spass! Es ein ökumenischer Gottesdienst mit katholischer Beteiligung und kein interreligiöser Gottesdienst.
Mir fällt dazu eine Sentenz von Georg Christoph Lichtenberg ein: »Glaubt ihr denn, dass der liebe Gott katholisch ist?«


Jun 7 2009

Allah, Jesus, Manitu: Wie glücklich machen Religionen?

von oldman

Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag von Michael Schultze (insoweit ist die obenstehende Autorenangabe nicht zutreffend, sondern lediglich der WordPress-Technik geschuldet). In den Kommentaren in diesem Blog konnte man bisher schon das ein oder andere von Michael lesen. Vielleicht kommt es zu einer häufigeren Autorentätigkeit – hier, oder im eigenen Blog.
Michael sieht die Welt aber auch mit anderen Augen, was seine Fotografien eindrucksvoll zeigen.
(oldman)

“Am 02.06.2009 strahlte das erste deutsche Fernsehen eine interessante Ausgabe von „Menschen bei Maischberger“ aus. Die Überschrift lautete: „Allah, Jesus, Manitu: Wie glücklich machen Religionen?“

Zu Gast war u.a. der österreichische Kabarettist Werner Schneyder, der den Part des Kritikers übernehmen sollte und von dem ich mir interessante Argumente erhoffte. Im Laufe der Gesprächsrunde musste ich feststellen, dass weder die Befürworter noch die Gegner von Religionen eine klare Abgrenzung von Kirche, Religion und Spiritualität machten. Alle drei, in ihrer Art völlig unterschiedliche, Kategorien wurden in einem Topf gesteckt. Daher konnte sich keine fundierte und objektive Diskussion herausbilden, was, angesichts der intelektuellen teilnehmenden Gäste, äusserst bedauernswert war.

Daher erschien es mir wichtig, mich etwas näher mit diesem doch spannenden Thema auseinanderzusetzen. Ich selber bezeichne mich als Agnostiker, der die Existenz oder Nichtexistenz eines höheren Wesens für nicht zu klären und damit für irrelevant für das irdische Leben ansieht.

Wenn man diesen philosophischen Ansatz einmal zugrunde legt, fällt es schwer, die Bildung und Kultivierung aller existierenden Religionen nachzuvollziehen. Und dennoch benötigt der Grossteil der Menschheit eine Glaubensgemeinschaft in Form von Religion oder einer Kirche. Dieses scheinbare Paradoxon stellt für mich das Ergebnis menschlicher Unwissenheit und eigener Schwäche dar. Diese Schwäche wurde, ohne Diskussion, seit jeher auf das Übelste missbraucht. Daher sind sowohl Religion als auch Kirche gescheitert und auch aus moralphilosophischen Gründen abzulehnen. Beides sind lediglich menschliche Konstrukte.

Spiritualität hingegen kann ein geeigneter Weg zu sich selber sein. Anstatt sich blindlings einer Glaubensgemeinschaft anzuschliessen und damit seine Verantwortung an ein höheres Wesen abzugeben, wäre homo sapiens besser damit beraten, an sich persönlich zu arbeiten. Im Übrigen denke ich, dass die Weisheit des Alters der Schlüssel zu sich selber und damit zu einem glücklichen Leben ist. Aber auch die individuelle Spiritualität ist eine frühzeitige Möglichkeit. Interessanterweise zeigen die neuesten Ergebnisse aus der Hirnforschung, dass es in unserem präfrontalen Cortex ein sog. spirituelles Zentrum gibt.

Dieses Zentrum sorgt dafür, dass Dinge, die wir nicht erklären können (und davon gibt es mehr als genug), dort neuronal verarbeitet werden. Vorausgesetzt, die Hirnforscher irren nicht, ist dieses, uns im Laufe der Evolution angeeignete, spirituelle Werkzeug eine wertvolle Hilfe im Umgang mit der Paraphysik. Der Mensch stellt sich ständig Fragen, auf die er niemals eine Antwort finden wird. Wahrscheinlich ist dies auch gut so. Ich denke, dass jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten seine eigene, persönliche Spiritualität besitzt, mit der er sich die Welt erklären kann. Ob er sich die Entstehung des Universums durch einen vollkommenen Schöpfer oder durch einen Zufall von Staub und Materie erklärt ist dabei zweitrangig. Wichtig scheint mir lediglich, dass jeder einzelne Mensch sich den Spiegel vorhält und an sich selber arbeitet.

Wenn man nun auf philosophischem Wege weiterdenken würde, käme man zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass sich homo sapiens viel zu ernst und wichtig nimmt. Der Grund ist sein begrenztes Denkvermögen. Auch hier kann der spirituelle Weg sehr nützlich sein. Es scheint ausser Frage zu stehen, dass unser Globus auch sehr gut ohne homo sapiens auskommen würde – wahrscheinlich sogar besser. Aber selbst dass interessiert unseren Planeten nicht. Er ist einfach da. Warum? Tja, das weiss wohl keiner so genau. Aber wenn man, aus welchem Grund auch immer, unbedingt eine Antwort benötigt, kann man ja mal an seinem präfrontalen Cortex anklopfen….”