Dez 22 2009

Redefreiheit??

von oldman

Gefunden bei BASE:

redefreiheit

Daneben eine junge Frau, der dieser Spruch wohl zuzuschreiben ist/zugeschrieben werden soll. Ob sie weiss, was man gemeinhin unter »Redefreiheit« versteht?


Okt 4 2009

Saxophone und Kaufrausch

von oldman

Heute war das Konzert des Signum Saxophonquartett, in Bonn, im Kammermusiksaal des Beethovenhauses (Programm: Werke von Grieg, Lévy, Bach, Desenclos, Schostakowitsch, Iturralde). Ich hatte mir eine Karte geholt, habe mich auf das Konzert gefreut und fahre nichtsahnend nach Bonn rein. Dort dachte ich, micht trifft der Schlag – die Innenstadt gerammelt voll – was ich nicht wußte: Am 3. und 4.10. war Bonnfest, an beiden Tagen alles verkaufsoffen (wie ich jetzt lese). Mir kam es so vor, als ob die Geschäfte nach einem Jahr das erste Mal wieder geöffnet hatten. Was da unterwegs war, nicht nur zum Schauen, auch mit prallen Einkaufstüten in der Hand – um unsere schöne Konsumwelt muß uns nicht bang sein.

Der Konzertraum dagegen wie eine Oase, mitten in der Fußgängerzone, wenige Meter vom Trubel weg. Es waren sogar Plätze frei – da hätten sich noch Einige von den Schaufenstern losreissen können.
Das Saxophon kommt ja von der Klassik, das vergesse ich immer wieder, da durch Jazz und Rock mit dem Instrument (leider nur hörend) in Berührung gekommen. Klassische Musik auf dem Saxophon ist dann für mich eher gewöhnungsbedürftig, stellenweise eher langweilig. Die vier Musiker sind technisch brillant, aber letztlich fehlt etwas. Bei dem Stück von Fabien Lévy kam das aus den Instrumenten, was ich damit verbinde – expressive Klänge. Klassik auf Saxophonen ist für meine Ohren zu geschmeidig. Für den weit überwiegenden Teil des Pubklikums wohl eher nicht. Das war schneinbar alles Abo-Publikum und obwohl ich fast 59 bin, habe ich den Altersdurchschnitt wahrscheinlich entscheidend reduziert. (Was passiert mit den Klassikkonzerten, wenn sich die Rentneranzahl mit den geburtenschwachen Jahrgängen drastsich reduziert – ist mir da durch den Kopf gegangen?)
Aber dann läuft vielleicht HipHop im Kammermusiksaal und es ist ausverkauft. Warum auch nicht, immer noch besser, als Shoppen.


Dez 2 2008

Beim Biobauern – Lebensfragen

von oldman

Vor 20 (?) Jahren gab es den noch gar nicht, den Bio-Bauern mit seinem Hofverkauf. Heute kaufe ich fast ausschliesslich dort ein. Das Sortiment entspricht dem eines Supermarktes. Natürlich ist nicht alles selbst erzeugt, trotzdem “Bio” und ich kann dort den gesamten Bedarf an Lebensmitteln und Randsortiment decken. Sogar Fleischwaren, die richtig gut schmecken.
Im Eingangsbereich steht eine Säule mit diversen Prospekten bzw. Flyern, wie es so schön heißt. Da findet sich die kunterbunte Gegenwartswelt:

  • Eine Tierverhaltenstherapeutin offeriert “Antworten auf Katzenfragen”
  • Jemand will mich auf eine Sinnesreise rund ums Kochen einladen
  • Eine Malerwerkstatt für anspruchsvolles Raumdesign schafft “Lebensräume”
  • Eine Ernährungsberaterin berät über “Ernährung nach den Fünf Elementen”
  • Eine Einladung zu einem Info-Treffen über “Effektive Mikroorganismen”
  • Ich soll neue Wege finden mit der “Lösungsorientierten systemischen Beratung”
  • Es gibt einen “International Avatar Course”, der mein Leben verändern wird
  • Und eine Gesellschaft will mir eine Beteiligung an “Green Capital” verkaufen
  • Was soll ich nun tun? Katzen habe ich nicht, so dass die “Katzenfragen” entfallen. Ich wüsste auch nicht, was ich eine Katze fragen sollte bzw. was eine Katze mich fragt.
    Die anderen Angebote verstehe ich größtenteils nicht. Ich glaube, die Sinnesreise rund ums Kochen, das wäre was!


    Nov 19 2008

    Warum müssen Äpfel verfaulen?

    von oldman

    Diese leckeren Äpfel wachsen in den Plantagen rund um unseren Ort. Die Ernte ist vorüber, die Bäume zum größten Teil schon entlaubt. Ist halt November.

    Aber auf dem Boden, zwischen den Bäumen, liegen viele Äpfel und verfaulen. Niemand kümmert sich darum. Früher hat man aus diesem Fallobst Apfelsaft gepresst oder Apfelmus gekocht. Heute “lohnt” sich das nicht mehr. Da ist es billiger, sich das bei Aldi zu kaufen.
    Mit anderem Obst läuft das ähnlich. Sauerkirschen werden zum großen Teil nicht mehr gepflückt, die verfaulen auf den Bäumen. Uns geht es gut.
    Diese Dinge haben keinen Wert mehr, nur noch einen Preis?


    Okt 11 2008

    Autopfand??

    von oldman

    Gerade war ich in Bad Godesberg einkaufen. In der Fußgängerzone drückte ein junges Mädchen mir einen Werbezettel in die Hand – ‘Autopfand Rhein-Sieg‘. Eine Firma, die damit wirbt, mein Auto zu beleihen, wenn ich Geld brauche. Die Bankalternative, heißt es.
    Hatte ich bisher noch nichts von gehört. Hab mal gegoogelt und jede Menge ‘Autopfand-Firmen’ gefunden. Erstaunlich, scheint zu florieren. Passt ja gut in die derzeitige Finanzlage. Beliehen werden PKWs, Oldtimer und Motorräder mit bis zu 60 Prozent des DAT-Verkaufswertes. Wenn ich bedenke, das ca. 70 Prozent der PKWs in Deutschland kreditfinanziert sind und der Verkaufswert nach DAT im Zeitaublauf stetig geringer wird, erinnert mich das stark an das, was sich gerade am Finanzmarkt abspielt.
    Wenn die Beleihung nicht vereinbarungsgemäß bedient wird, wird das Auto gepfändet? Momentan steht der Automarkt vor einer Rezession, Opel und BMW setzen die Produktion aus. Es geht weiter, die nächste Blase platzt.


    Jul 15 2008

    Müssen Kinder schön sein?

    von oldman

    Schön wäre es schon, wenn Kinder schön sind. Aber müssen müssen sie es nicht. Schon gar nicht, um damit dem Schönheitswahn der Eltern zu huldigen.
    Gegen den Markenwahn der Jugendlichen regt sich Widerstand. Jetzt sollte sich früh genug eine Abwehrhaltung gegen das bilden, was – wie die meisten Moden – aus den USA zu uns kommen könnte – der Beauty-Wahn für Kinder.

    Fast zwei Drittel der sechs- bis neunjährigen Mädchen haben lackierte Nägel, und rund sechzig Prozent der sogenannten Tweens, also (weibliche) Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren, benutzen Parfüms, Körpersprays, Lipgloss oder Lippenstift.
    „Meine jüngsten Kundinnen sind zwei Jahre alt“, berichtet Nancy Robinson, eine der beiden Geschäftsführerinnen mit bonbonrosa Bluse und Bob in unterschiedlichen Blondschattierungen. Die Arbeit mit den ganz Kleinen sei allerdings schwierig, „weil sie immer den Nagellack verschmieren“.

    Müssen Kinder in dem Alter in den Kosmetiksalon oder ins Wellness-Hotel? Scheinbar ist die Fixierung der Eltern auf “Schönheit” so fest, dass ein Zweifel gar nicht aufkommt. Mir tun die Kinder leid.
    Kein Mitleid habe ich mit den Eltern, falls sie später darüber jammern, dass die Kinder so teuer sind, weil sie nur Markentextilien akzeptieren und nur ans Styling denken.


    Jul 8 2008

    Ich glaube, hier stimmt was nicht!

    von oldman

    Eine Meldung, die ersten Worte positiv, aber dann stutze ich.

    Die Europäische Kommission will künftig kostenlos Obst und Gemüse an Schulen der 27 EU-Länder verteilen lassen.
    Mit dem Programm, dem die EU-Landwirtschaftsminister noch zustimmen müssen, möchte die Kommission die Essgewohnheiten Jugendlicher, besonders zwischen sechs und zehn Jahren, verbessern. Zudem soll die Verbrauchssteigerung um jährlich 800.000 Tonnen den Obst- und Gemüseerzeugern neue Absatzmöglichkeiten erschließen.

    Um was geht es jetzt? Um gesunde Ernährung, oder um Absatzmassnahmen?
    Das liest sich wie die Art Entwicklungshilfe, die die Länder der sog. Ersten Welt leisten: Wir geben der sog. Dritten Welt Geld, damit die die Sachen kaufen können, die wir produzieren.

    Nach der Schule essen die Kinder dann weiter die ungesunden Dickmacher. 22 Millionen Kinder in der EU gelten als übergewichtig, davon rund fünf Millionen als fettleibig – mit jährlicher Steigerungsrate von 400.000.


    Jun 17 2008

    Vielfalt, Markenterror, Einheitskleidung

    von oldman

    Bis vor wenigen Jahren waren auf Fotos aus China die Menschen in den blauen Einheits’uniformen’ (Mao-Look) zu sehen. Dieser Mao-Look wurde als kurzlebige Mode damals auch nach Europa gebracht. Durchgesetzt hat sie sich nie. Diese Art ‘Gleichmacher-Kleidung’ hatte keine Chance. Der Fehler war wohl, dass es keine Gruppierungsmöglichkeiten gab. Sie war für alle gleich.
    Uniformierte Kleidung gab uns gibt es natürlich auch in Europa. Auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so aussieht. Wenn alle Bluejeans tragen, ist das auch eine Uniform. Und wenn dann die Uniform zu uniform wird, suchen die Träger die Unterscheidung durch das Label der Marke. Es ist immer noch eine Uniform, aber der Unterscheidungswille wird zum Markenterror.
    Dieser Terror ist wirklich Terror. Eine Offenbacher Schule will jetzt eine Alternative schaffen.

    Die Offenbacher Ernst-Reuter-Schule führt zum neuen Schuljahr einheitliche T-Shirts, Polohemden und Kapuzenjacken ein. Jeder Schüler könne frei entscheiden, ob er sie trage, sagte die stellvertretende Schulleiterin Christa Ludwig-Männche am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Viele Schüler litten „unter Markenterror“, begründete sie die Entscheidung der Schule.

    Eltern haben dies initiiert und es gilt erst einmal für die Klassen 1 bis 6. Aus meiner Sicht eine gute Initiative. Ich sehe darin auch keine Form von ‘Gleichmacherei’ oder ‘Vereinheitlichungszwang’.