Jan
25
2009
von oldman
Ich bin ein netter Kerl. Ich mache nur Zeichnungen über eine böse Welt.
Tomi Ungerer
So charakterisiert sich Tomi Ungerer selbst und dieser Spruch prangt im Max-Ernst-Museum in Brühl in der Ausstellung Tomi Ungerer “Ohne Wind wüssten die Wolken nicht wohin”.
Und dieser Spruch findet sich in seinen Zeichnungen bestätigt, zum Teil sicher bis zur Schmerzgrenze manch eines Ausstellungsbesuchers, der Tomi Ungerer bisher nicht oder nur sehr oberflächlich kannte.
Tomi Ungerer lacht auch und gerade über das Böse und stellt es in seinen Zeichnungen schonungslos bloß. Auch in seinen bekannten Kinderbüchern blitzt dies ja immer wieder auf. Wer seine Frosch-Zeichnungen kennt, weiß wovon die Rede ist.
Die Ausstellung ist unbedingt sehenswert. Der Begleitfilm, der in der Ausstellung gezeigt wird, bringt Interviews mit Ungerer und weitere Ausschnitte seines Schaffens.
Das Max-Ernst-Museum, das sehr gut zu erreichen ist (per Bundesbahn [es liegt direkt gegenüber dem Bahnhof] und auch per Auto) ist auch architektonisch interessant und liegt direkt am Zugang zum Schloß Augustusburg. Wir haben im Anschluß an den Museumsbesuch das schöne Wetter genutzt und einen Rundgang um das Schloß und durch den Schloßpark genutzt. Es ist zwar noch alles kahl, aber trotzdem sehenswert.
Die ständige Max-Ernst-Ausstellung sollte man sich übrigens nicht entgehen lassen.

Max-Ernst-Museum Brühl, by oldman

Schloß Augustusburg, by oldman
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Aug
11
2008
von oldman
Die Museumsmeile Bonn ist ja zumindest im Sommer mehr für ihre Freiluft-Konzerte bekannt. Nicht übersehen sollte man aber die Ausstellungen, bei denen eigentlich immer eine dabei ist, die einen Besuch lohnt. Zur Zeit sind es gleich drei, von denen wir uns
Daigo-ji – Der Geheime Buddhismus in Japan (25. April bis 24. August 2008)
und
Frauen verändern die Welt (Fotografien von Phil Borges; Verlängerung: 10. Juli bis 31. August 2008)
angesehen haben. Beides sehenswert und auch ohne weiteres an einem Nachmittag machbar, ohne dass es zur ‘Überfütterung’ kommt.

Sehr beeindruckend ist die Ausstellung “Frauen verändern die Welt”, einmal wegen der Fotos, die in einem bestechenden Fotodruck erstellt sind und auf den ersten Blick einen 3D-Effekt vermuten lassen. Die Fotos in schwarz-weiss, nur die Gesichter in Color. Der Bildband vom Frederking und Thaler Verlag für 19,90 EUR gibt die Fotos ebenfalls ganz toll wieder, kann natürlich nicht mit dem Ausstellungsformat mithalten. Es sind berührende Porträts von starken Frauen weltweit – ein Manifest der Eigeninitiative.
„Frauen verändern die Welt”, so hat der Fotograf Phil Borges seinen Bildband überschrieben, in dem er Frauen aus aller Welt porträtiert. Die Originalfotos sind erstmals in Deutschland zu sehen. Die Kunst- und Ausstellungshalle zeigt die Ausstellung in ihrem Zentralkabinett.
Sie zeigen die Porträts von Frauen aus aller Welt, denen es mit Hilfe von CARE gelungen ist, in ihrer Gemeinschaft Veränderungen herbeizuführen, auch wenn die Umstände gegen sie sprachen. Durch Courage und Beharrlichkeit haben sie sich mit Hilfe eines Mikrokredits aus ihrer Opferrolle befreit und sind zum Vorbild geworden. Ihre Erfolgsgeschichten machen Mut und zeigen: Die Zukunft ist weiblich.
(Quelle: KAH)

Bei der Gelegenheit habe ich mir endlich auch die CD Electric Treasures geholt. Das Konzert hatten wir ja Live in der Kunst- und Ausstellungshalle erlebt und die (Doppel-) CD wurde vor kurzem endlich veröffentlicht. Auch von der CD eine faszinierende Musik.
Gut, dass dieses Konzert den Weg auf CD gefunden hat. Zweimal 45 Minuten besonderer Klangwelten. Hörenswert!
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Mai
21
2008
von oldman
Wer mit dem Computer und Textverarbeitung in Berührung kommt, kennt auch die Frutiger-Schrift. Der Mann, der sie entwickelt hat, wird jetzt Achtzig und blickt auf ein umfangreiches Werk zurück. Die WOZ würdigt sein Lebenswerk mit einem lesenswerten Artikel.
Aber nicht nur die Typographie hat Frutiger beschäftigt.
«Alles Gegenwärtige ist auf der Erfahrung der Vergangenheit aufgebaut. Also ist das Zukünftige im Gegenwärtigen bereits vorhanden.» In diesem Satz verrät sich noch eine spezifisch frutigersche Eigenschaft: Er ist auf seine Art ein Philosoph.
Ein bemerkenswerter Mensch.
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Mrz
22
2008
von oldman

Da der Wetterbericht für heute Schnee, Regen, Schnee….. angekündigt hatte (und es war auch so!), sind wir per Regionalbahn nach Köln. Dort gibt es noch bis zum 30. März 2008 im Museum Ludwig die Ausstellung Piet Mondrian. Vom Abbild zum Bild.
Selbst wer mit dem Namen Piet Mondrian nichts anfangen kann, hat schon einmal eines seiner Bilder gesehen – Ach der ist das! Ja, genau der!
Sein ‘Markenzeichen’ sind Bilder mit ‘optisch ausbalancierten Kompositionen aus roten, gelben und blauen Rechtecken in einem System aus schwarzen Linien und weißen Flächen’, wie auf dem Plakat der Ausstellung. Geht man mit offenen Augen durch den Alltag, dann kann man an vielen Stellen den Einfluss dieser Farb- und Formensprache feststellen. Auch im Internet findet man viele Bezüge auf Piet Mondrian in der Gestaltung von Homepages.
Weitgehend unbekannt (ich wusste bis dato überhaupt nichts davon) ist, dass Mondrian zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn im impressionistischen und frühexpressionistischen Stil malte, was man hier sehr gut sehen kann.
Die Ausstellung zeigt in drei Räumen die künstlerische Entwicklung Mondrians von diesem impressionistischen und frühexpressionistischen Stil bis hin zu den Kompositionen aus roten, gelben und blauen Rechtecken in einem System aus schwarzen Linien und weißen Flächen. Und diese Entwicklung ist anhand der gezeigten Bilder sehr gut nachvollziehbar.
Eine sehenswerte Ausstellung, die es noch bis zum 30. März 2008 gibt. Die Öffnungszeiten des Museums sind bis dahin bis 20:00 Uhr verlängert. Das Wetter soll ja in den nächsten Tagen auch nicht viel besser werden ….
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Mrz
17
2008
von oldman

Regen war angesagt und die Ansage stimmte, so dass wir uns ins Museum bewegten. In der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (KAH) in Bonn gibt es noch bis zum 25. Mai 2008 die Ausstellung Sizilien – von Odysseus bis Garibaldi.
Sizilien ist für mich eine der interessantesten und auch schönsten Inseln des Mittelmeers. Keine Strandinsel, aber voller Geschichte und unverbauter Landschaft. Zweimal war ich dort und obwohl ich es inzwischen vermeide zu fliegen, werde ich wohl noch einmal dorthin fliegen.
Die Insel war mal das Zentrum des antiken Griechenlands und viele antike Gelehrte lebten dort. Allenthalben trifft man auf die Zeugnisse dieser Zeit; auch die Araber haben ihre Spuren hinterlassen. Die Ausstellung zeigt vieles aus dieser Zeit.
Das Miteinander dieser Kulturen hat auf der Insel ein reiches und faszinierendes Erbe hinterlassen. Mit ca. 300 hochrangigen Werken zeichnet die Ausstellung dieses kulturelle Erbe nach: Von den ersten Spuren menschlicher Präsenz aus der Altsteinzeit bis zur Ankunft Giuseppe Garibaldis im Jahr 1860 wird die wechselvolle Geschichte der Insel erzählt und die Einflüsse der vielen Völker und Herrscher veranschaulicht. So führt der chronologische Rundgang von den einheimischen Sikanern und Sikulern, den eingewanderten Phöniziern, Griechen, Römern, Byzantinern und Arabern über die Herrschaft der Normannen und Hohenstaufer bis zu den Dynastien der Aragonesen, Habsburger und Bourbonen.
Ein halbstündiger Film im Begleitprogramm zeigt die wesentlichen Orte der Insel.
Bis zum 4. Mai 2008 werden zusätzlich in einer Fotopräsentation Bilder des Fotografen der KAH (Peter Oszvald) gezeigt, die die Ausstellung mit Impressionen des heutige Sizilien ergänzen.
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Mrz
14
2008
von oldman

Ein grandioser Film, dessen 158 Minuten Spieldauer mir nicht lang geworden sind. Eine herausragende schauspielerische Leistung von Daniel Day-Lewis.
Aber meines Erachtens nicht die Studie der Seele des amerikanischen Kapitalismus, sondern eine beeindruckende Darstellung der Person des Ölmannes Daniel Plainview, seiner Triebkräfte und seines Lebensweges. Die Gesellschaft spielt keine Rolle in dem Film; er ist zutiefst individualistisch (und insoweit typisch us-amerikanisch), zeigt den an eine Manie grenzenden, sie stellenweise überschreitenden Pioniergeist.
Neben Daniel Plainview wirkt der Prediger Eli Sunday immer auf verlorenem Posten, als der, der von Plainview als dummer Junge behandelt wird. Vielleicht sind die fanatischen Prediger aber so? Die Religiösen werden hier als Gegenspieler von Plainview dargestellt, haben aber nie eine Chance, selbst in dem Moment nicht, als sie Plainview scheinbar demütigen. In dieser Szene kann man schon die Rache erahnen, die Plainview an Sunday wirken lassen wird.
Wer das angekündigte miese Wetter dazu nutzen will, mal wieder ins Kino zu gehen – There will be blood ist zu empfehlen. Die ersten 10 Minuten allein sind den Kinobesuch wert!
Informationen zum Film:
bei Wikipedia
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Mrz
7
2008
von oldman

Man glaubt es zwar kaum, wenn man Berichte aus dem Leben in der DDR liest, aber auch dort wurde gelacht – viel und gerne!
Auslöser war oft die Satirezeitschrift Eulenspiegel, die einen hinter- und tiefgründigen Humor pflegte. Wie fast alles, was gut war, war auch diese Zeitschrift nicht immer einfach zu bekommen. So wanderte sie dann von Hand zu Hand. Einige der damaligen Karikaturisten und Autoren sind auch heute noch aktiv.
Jetzt bringt das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover eine Ausstellung “Eulenspiegel – Klassiker der ostdeutschen Karikatur”. Sie zeigt 391 Werke von elf Satirikern. Vieles ist für den, der nicht in der DDR gelebt hat, nicht auf Anhieb verständlich. Auch hat der Humor in der DDR in den Jahrzehnten bis zur sog. Wende zum Teil spezifische Wege gemommen. Aber gerade deshalb ist diese Ausstellung für den sog. Wessi eine gute Gelegenheit, sich dem anzunähern.
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Okt
5
2007
von oldman
Ok, Fatih Akin will nicht, daß man ihn mit Fassbinder vergleicht, Fassbinder gar als sein Vorbild bezeichnet. Und das geschieht ja auch nur, weil er Hanna Schygulla in seinem neuesten Film “Auf der anderen Seite” besetzt hat. Da ist in den Medien schnell der Vergleich gezogen, macht es ja auch einfacher, eine Einordnung vorzunehmen. Also kein Fassbinder, aber doch ein Film, der sich nahtlos in das deutsche, meist überambitionierte, Autorenkino einreiht.
Zur Story des Films:
Der aus der Türkei stammende Germanistikprofessor Nejat kümmert sich um seinen in Bremen lebenden, verwitweten Vater Ali. Der hat das Alleinsein satt und bittet die Prostituierte Yeter, mit ihm zusammen zu leben, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Eines Nachts kommt es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, als der betrunkene Ali sich Yeter nähern will und diese ihn zurückweist; der alte Mann schlägt die Frau, sie fällt, stirbt an den Folgen des Sturzes. Der Vater wird verurteilt und später in die Türkei abgeschoben. Nejat macht sich in Istanbul auf die Suche nach Yeters Tochter Ayten, die zu einer politischen Widerstandsgruppe gehört. Dies war der Mutter nicht bekannt, sowenig wie die Tochter wußte, daß die Mutter eine Prostituierte ist. Nach einer Demonstration flüchtet Ayten nach Deutschland, um ihre Mutter zu suchen und trifft dort auf die Studentin Lotte und beide verlieben sich ineinander. Lotte wohnt bei ihrer Mutter Susanne (Hanna Schygulla). Ayten wird in die Türkei abgeschoben, dort zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt; Lotte folgt ihr, um sie zu unterstützen, wird in die politischen Aktivitäten von Ayten einbezogen und es kommt zu einem Unglück…
Die Handlung, die hier nur verkürzt wiedergegeben wird, wird in diversen Episoden kunstvoll miteinander verknüpft. Orte und Zeiten wechseln, ohne daß dies zu Brüchen im Ablauf oder zu Ungereimtheiten führt. Hierin sehe ich die Stärke dieses Filmes.
Aber die Dialoge! Ein Klischee folgt dem anderen und stellenweise drängt sich der Eindruck auf, daß der Regisseur die Akteure mit Gewalt zwingen mußte, damit sie überhaupt miteinander reden. Man kann dies mit einer gewollten Künstlichkeit als Stilmittel begründen, aber meiner Meinung nach leidet der Film darunter sehr. Ein Höhepunkt in dieser Hinsicht ist die Begegnung Nejats mit der Mutter von Lotte in Istanbul. Man wünscht sich den Stummfilm zurück! Hanna Schygulla spielt seit Fassbinders Zeiten immer die gleiche Person, manchmal nahe dem Autismus und das ist auch hier nicht anders. Das ihr emotional irgend etwas wirklich nahe geht, hat sie in den Darstellungen der einzelnen Rollen noch nie glaubhaft gezeigt. Insoweit nimmt man ihr auch die Verwüstung des Hotelzimmers in Istanbul nicht ab (sie findet dann konsequenterweise auch im Halbdunkel statt). Wollte Akin aber zeigen, welche Probleme die handelnden Personen haben, in schmerzlichen Situationen Emotionen zu zeigen, so ist dies gelungen.
Die Tochter Lotte, gerade von einer 3monatigen Indienreise zurück, die die Mutter vor 30(?) Jahren auch gemacht hat, verliebt sich in Aytun und ist froh, endlich das Gefühl zu haben, gebraucht zu werden. Sie, die innerhalb kürzester Zeit in eine Betroffenheitsorgie wegen der türkischen Verhältnisse verfällt (die sie nicht kennt), hat die Verhältnisse in Indien anscheinend völlig unbetroffen überstanden. Man nimmt ihr jetzt das plötzliche politische Interesse nicht ab und sie versteht auch später die Türkei und die Verhältnisse dort trotz Bemühungen nicht.
Die Szenen im türkischen Frauengefängnis sind an Originalschauplätzen mit Gefangenen und Wärterinnen gedreht und Akin hat nach eigenem Bekunden auf wirklichkeitsgetreue Darstellung geachtet. Es geht authentisch zu. Gegen die Verhältnisse in diesem Frauengefängnis ist die Zelle des Vaters in Deutschland um einiges trostloser und die Frauen haben in der Gemeinschaft der großen Zelle anscheinend ein menschlicheres Miteinander. Die Szene, in der Aytun – nachdem sie “bereut” hat – entlassen wird und sich von ihren Zellengenossinnen verabschiedet, hat etwas von Internatsabschied.
Der Film wird sicher Erfolg haben. Das versprechen der Taschentuchverbrauch während der Vorstellung und die Preise, die er schon gewonnen hat. Auch die Oscarnominierung steht wohl an. Aber es ist deshalb nicht der Film, für den er in den Medien gemacht wird. Er krankt meines Erachtens an der Künstlichkeit und den Dialogen.
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