Aug 3 2009

Das Geld war schmutzig – ein neuer Richard Stark

von oldman

Mittlerweile warte ich schon auf neue Richard Stark-Krimis. Im Dezember 2008 verstorben, erscheinen jetzt posthum noch Krimis von ihm in deutscher Übersetzung..

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Gerade erschienen ist »Das Geld war schmutzig« – die Fortsetzung von »Fragen sie den Papagei« und »Keiner rennt für immer«.
Und wieder ist Parker unterwegs, so cool, dass man das Buch beim Lesen mit Handschuhen halten sollte. Parker ist der Technokrat unter den Gangstern; Effektivität ist sein Credo. Vokabeln wie »gnadenlos« sind hier falsch am Platz. Aber das ist es nicht, was diese Bücher so faszinierend macht. Es ist der Stil von Richard Stark. So effektiv wie Parker handelt, schreibt Richard Stark. Kein Satz zu viel – selbst wenn man keine Krimis mag, ein Leseerlebnis.

Angekündigt für den Oktober 2009 ist der nächste Parker: »Das große Gold« – Vorfreude ist die schönste Freude. Kann man schon mal vorbestellen.


Jul 19 2009

Fremder in einer fremden Welt

von oldman

Aprilwetter mitten im Juli (gerade sch¨ttet es wieder) – sozusagen Lesewetter. Da kommt die Neuausgabe (Juli 2009) des Klassikers von Robert A. Heinlein»Fremder in einer fremden Welt« – gerade richtig.

Fremder in einer fremden Welt

John Scalzi schreibt im Vorwort dieser Neuausgabe:
»Sie halten ein hochinteressantes Objekt in Ihren Händen. ….. Wahrscheinlich ist Ihnen auch bekannt, das Sie damit den vielleicht berühmtesten – manche würden sogar sagen, den vielleicht bedeutendsten – Science-Fiction-Roman der letzten fünfzig Jahre vor sich haben.«

Es ist allerdings nicht die Fassung aus den 60iger Jahren, sondern die Fassung, die Heinlein von Anfang an erzählen wollte. Es sind ca. 70.000 Wörter mehr, als in der Fassung der 60iger Jahre. Also schon deshalb lohnt sich eine erneute Lektüre – 652 Seiten, die nie langweilig werden und von denen Vieles zurück bleibt in den grauen Zellen. Für mich erstaunlich, das man dem Text die 40 Jahre nicht anmerkt. Das liegt aber auch daran, das die beschriebene Beschaffenheit unserer (und speziell der us-amerikanischen) Gesellschaft sich kaum verändert hat.


Jul 17 2009

Ich lese keine schwedischen Krimis mehr

von oldman

Nein, das werde ich nicht mehr. Nicht, das sie nicht spannend sind; das sind sie bisher fast alle gewesen. Nein, es ist etwas anderes.

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Gerade bin ich fertig mit Roslund & Hellström, »Blinder Glanz«. Die Leiche einer verstümmelten Frau wird gefunden, es werden 43 rumänische Straßenkinder mitten im eiskalten Stockholm ausgesetzt und unter den Straßen von Stockholm, im Kanalisationssystem ‘leben’ Menschen gemeinsam mit Ratten. Düster, aber das ist für einen Krimi nicht ungewöhnlich.
Was mich zu der Überschrift gebracht hat, ist das handelnde Polizeipersonal. Diese sind mit persölichen Problemen und Stimmungen so belastet, das sie anscheinend viel schlimmer dran sind, als die Elenden der Stadt.
Und das ist ja nicht nur in diesem Buch so. Wallander hat mich bei der Lektüre schon genervt, mit seinem überbordenden Selbstmitleid und auch in einigen weiteren Kriminalromanen wird Schweden als Land der Alkoholiker, Depressiven, Perversen, Korrupten geschildert. Man glaubt nicht, das dieses Land Menschen aus anderen Ländern anzieht, die dort die sog. schönsten Wochen des Jahres verbringen.

Mir langt es; ein Krimi muß sicher kein humoriger Unterhaltungsroman sein, aber er sollte auch nicht depressiv machen – und die schwedischen Krimis haben diese Wirkung.
Wer das Buch von Roslund & Hellström trotzdem lesen möchte – ich verschenke es – nur das Porto muß der Empfänger tragen.


Jul 12 2009

Replay – Mehrere Leben, mehrere Chancen?

von oldman

»Replay – Das zweite Spiel«, von Ken Grimwood, ist in der Reihe Meisterwerke der Science-Fiction erschienen (lohnende Reihe!). Hat aber nur im weitesten Sinne mit Science Fiction zu tun.

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Wie wäre es, wenn Du noch einmal leben könntest? Und noch einmal? Und immer wieder … Ein Traum? Oder ein Alptraum? Dies passiert Jeff Winston, hat aber absolut nichts mit Und täglich grüßt das Murmeltier zu tun. In diesem Buch geht es um mehr, um weit mehr und es ist mindestens zweimal zu lesen – das erste Mal wegen der Spannung und das zweite Mal wegen des Gehalts. Mir geht es nicht aus dem Sinn.
Zum Inhalt und den Gedanken dazu hier nichts weiter. Es würde nur den Lesespass beeinträchtigen. (Bitte auch vor dem ersten Mal nicht das Vorwort lesen.)


Feb 24 2009

Draussen scheint die Sonne

von oldman

Dem war leider nicht so, während wir von Donnerstag bis Montag in der Pfalz waren, sozusagen vor dem Karneval geflohen (obwohl wir nichts dagegen haben, gegen den Karneval).
Ja, wir hatten eine schöne Ferienwohnung in einem schönen pfälzer Weinort (Fotos und ein kleiner Bericht folgen demnächst), aber das Wetter war nicht passend. Hat zwar nicht viel geregnet, war aber grau in grau. Da sind wir nicht nur gewandert, sondern haben auch das ein oder andere Buch gelesen.

sonne scheint draussen

Eins der Bücher war von Alexander Gorkow, Titel: Draußen scheint die Sonne. Eine Sammlung von Interviews mit mehr oder weniger bekannten Zeitgenossen. Der Bogen spannt sich von Lemmy Kilminster über Michael Palin und Martin Parr bis zu Eric Clapton. Musiker, Schauspieler, Schriftsteller in bunter Mischung. Sehr unterhaltsam zu lesen; es haben sich für mich viele neue Einblicke ergeben. Und da es keine bloße Abfrage ist, bleibt es immer spannend.
“Diese Interviews sind anders als andere – intensiver, lustiger, inniger, überraschender, offener. Seine Auswahl ist total subjektiv, aber dann wagt Alexander Gorkow alles.” schreibt der Verlag. Dem kann ich nur voll zustimmen.
Die Sonne schien deswegen trotzdem nicht, aber das Buch machte das vergessen.


Feb 12 2009

Aristoteles in der Regionalbahn

von oldman

Im Zug nach Kön sitzt mir ein Mann gegenüber, hager, gebeugte Haltung, Glatze mit langwachsendem Haarkranz, Vollbart und einem Tic: die linke Hand geht in einem fast vollkommenen Kreislauf über die linke Stirn zur Kopfseite streichend (kein Haar hätte hier die Chance zum Wachstum), irgendwann zum Bart, führt einige Barthaare zwischen die Zähne usw..
Ein weißer Rollkragenpullover (Zopfmuster, nicht mehr ganz sauber), eine dunkle, karierte Hose, graue, handgestrickte Wollsocken, grobe Halbschuhe im Wanderschuh-Stil. Über dem Pullover eine etwas speckige Lederweste (ursprünglich mittelbraun), randlose Brille, die regelmäßig in den Kreislauf der Hand einbezogen wird. Am Haken ein Fellmantel, Leder nach außen (später sehe ich, dass der Mantel zu groß ist).
Der Mann liest in einem Buch, konzentriert. Die Hand geht automatisch ihren Weg. Das Buch hat einen grünen Umschlag, viele Fußnoten. Das Lesen geht langsam voran. Nicht zu vergessen eine schwarze Umhängetasche aus Kunstgewebe, a la Laptop-Tasche.
Auf dem vorderen Innenumschlag des Buches entziffere ich: Philosophische Bibliothek. Später, als das Buch geschlossen wird, ist der Titel zu erkennen: Aristoteles “Von der Seele”.
Der Mann steigt in Köln-Süd aus, läßt den Mantel offen, trottet über den Bahnsteig dem Ausgang entgegen.


Feb 3 2009

Zum Bonner Bücherschrank

von oldman

In Bonn haben wir eine Vitirine auf der Poppelsdorfer Allee, in der man B¨cher einstellen kann – zur gefälligen Bedienung. Ich hatte dazu schon vor einiger Zeit etwas geschrieben. Auch in Beuel und Duisdorf gibt es mittlerweile ähnliche Schränke.

Bonner Buch-Vitrine

Der Konsumökonom Professor Michael-Burkhard Piorkowsky von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Uni Bonn hat sich mit seinen Studenten mal dem Objekt Bächerschrank gewidmet. Herausgekommen ist dabei Bemerkenswertes über den Schrank und seine Nutzer. “Books outdoor” stelle in Bonn eine bemerkenswerte Alternative zum klassischen Buchhandel dar.

Es handle sich auch nicht um eine Tauschbörse im klassischen Sinne, “denn die Leute bringen ja zum Teil auch Bücher mit, ohne etwas dafür im Tausch zu erhalten.” Man könne schon eher von einer Transferökonomie sprechen, einer freiwilligen Übertragung. Das Solidaritätsprinzip spiele dabei eine wichtige Rolle. “Wenn alle bloß Bücher mitnehmen würden, ohne neue hineinzustellen, würde das System nicht funktionieren.”

Das Projekt hat interessante Erkenntnisse, über den eigentlichen Studiengegenstand hinaus, gebracht.
>>>>Hier geht es zu dem kompletten Artikel.


Jan 31 2009

Handybücher – wieder etwas Neues

von oldman

Die technische Entwicklung provoziert Neues in anderen Gesellschaftsbereichen. Sicher keine neue Erkenntnis. Erstaunlich ist aber immer wieder, was sich dann so entwickelt. Ich stoße auf einen Augenstolperstein beim Lesen einer Nachricht: Handybücher – what’s that??

Handybücher sind keine Bücher über Handys, sondern Bücher, die man auf Handys liest.

Handybücher kann man nur auf Java-fähigen Geräten lesen. Bestellt werden sie einfach per SMS, sie kosten zwischen drei und fünf Euro. Der Umfang reicht von ein paar wenigen bis hin zu mehreren hundert Seiten. “Lucy Luder und der Mord im StudiVZ” wäre beispielsweise als gedrucktes Buch etwa 80 Seiten dick, auf dem Handy sind es je nach Schriftgröße zwischen 400 und 500 Seiten.

Diese Handybücher werden extra für Handys geschrieben – kurz und knackig. Ob der Text sich auf dem SMS-Abkürzungsniveau bewegt, habe ich nicht heraus gefunden. Ist sicher mühsam, 400 bis 500 Handyseiten zu blättern. Da ist ein E-Book-Reader sicher praktikabler – oder was meinen die Power-Handy-User?