Feb 27 2010

Solange kann keiner warten

von oldman

Mein Buchladen bessert seinen Umsatz mit dem Verkauf von Postkarten auf. Oft sind sehr witzige Sachen dabei; manchmal auch ungewollt witzig. Heute sah ich die folgende (aus dem Programm der discordia-postkarten):

Copyright ZENSUSA*LvdR

Das Bild ist ja recht stimmungsvoll, aber der Spruch passt nicht so recht dazu. Falls das Pferd wartet, dass der Baum zu ihm kommt, wird es das wohl nicht erleben. Und das der Baum darauf »wartet«, dass das Pferd zu ihm kommt, ist wenig treffend – er steht sowieso an der Stelle und wartet nicht. Wie sagt der Lehrer: »Thema verfehlt!«. Aber die Karte ist trotzdem schön.


Aug 18 2009

Post – Service ist nur relativ

von oldman

Die Post macht eine einfache Rechnung auf:
Das Briefaufkommen sinkt in den Monaten Juli und August auf etwa 80 Prozent des Jahresniveaus. Dem passt die Post sich an, indem am Wochenende aufgegebene Postsendungen nicht wie üblich am Sonntag sortiert werden, sondern erst montags. Die Zustellung folge dann am Dienstag. Nur regionale Sendungen werden noch am Sonntag bearbeitet. Ich habe dies bereits gespürt: wir bekommen Montags keine Post mehr zugestellt – liegt aber nicht daran, dass uns niemand mehr schreibt.
Merkwürdige Rechnung – wären es nur 60 Prozent, dann würden noch weniger Tage sortiert und die Briefe werden noch langsamer? Was ist mit dem 1-Tages-Versprechen? Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da wurde die Post zweimal am Tag zugestellt!


Mrz 25 2008

Fernsehen vs Internet

von oldman

Im Heft 4/2008, Seite 14, von TOMORROW wird die Frage gestellt: Verdrängt das Internet das Fernsehen?
Einer der Befragten ist Hans Demel, Geschäftsführer von n-tv. Er sieht das Fernsehen durch das Internet nicht bedroht. Das Fernsehen bedient seiner Ansicht nach die Bequemlichkeit des Zuschauers perfekt. Ein Knopfdruck auf der Fernbedienung und er wird bedient.

Im Internet muss der Nutzer selbst aktiv werden, suchen, auswählen, klicken. Er muss sich letztlich selbst Gedanken über die Qualität der angebotenen Inhalte machen und sie einordnen.

Das spricht eigentlich für den Internetnutzer. Aber der ist im Regelfall auch Fernsehnutzer und vice versa.
Meint Herr Demel, dass der Fernsehnutzer sich keine Gedanken über die Qualität der angebotenen Inhalte machen muss? Soll der Fernsehnutzer das ihm durch das Fernsehen präsentierte Angebot ohne gedankliche Beteiligung konsumieren – so wie die Chips, die dabei verdrückt werden? Ist das Fernsehangebot genau so ‘nährwertfrei’ wie die Chips?


Mrz 11 2008

Belgien: Freiheitsberaubung scheint ein Automatismus geworden zu sein

von oldman

Der WELTREPORTER Alois Berger berichtet aus Belgien:

Meiner belgischen Zeitung lag heute morgen ein Brotbeutel aus reißfestem Papier bei. Auf dem Beutel sind die zehn wichtigsten Rechte eines Angeschuldigten im Fall einer Verhaftung aufgedruckt, mit freundlichen Grüßen von der flämischen Anwaltskammer. Alles andere verlegt man irgendwann, meinen die Anwälte, den Brotbeutel hat man beim Frühstück am ehesten griffbereit – für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass man eines morgens unschuldig verhaftet wird.

In Belgien wird nach dem Bericht schnell verhaftet und die Untersuchungshaft extrem ausgedehnt. Nicht Verurteilte sitzen überdurchschnittlich lange ein. Auch beim EU-Gerichtshof ist dies aktenkundig.
Erstaunlich, dass in unmittelbarer Nachbarschaft Praktiken herrschen, die ich eher mit Diktaturen oder totalitären Systemen in Verbindung bringe. Aber die belgische Justiz hat sich ja in den letzten Jahren nicht mit Ruhm bekleckert.

Alois Berger hat den Brotbeutel der Anwaltskammer sicherheitshalber von innen an die Haustür genagelt, so dass er seine Rechte vor Augen hat, wenn es klingelt.