Der Deutsche Buchpreis ist eine Auszeichnung, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergibt. Sie wird jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse dem besten Roman in deutscher Sprache verliehen.
Aus einer Longlist mit Vorschlägen für den Preis, entwickelt sich eine Shortlist. Zwei der Vorschläge (von sechs) auf der Shortlist sind in diesem Jahr
> Dietmar Dath, Die Abschaffung der Arten
und
> Uwe Tellkamp, Der Turm
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Dietmar Dath, Die Abschaffung der Arten

Zum Inhalt (Verlagstext): Das Zeitalter, das wir kennen, ist längst eingeschlafen. Wo einmal Europa war, gibt es nur noch drei labyrinthische Städte, die eher gewachsen sind, als daß sie erbaut wurden. Die Welt gehört den Tieren. Fische streiten über Sodomie, Theologinnen mit Habichtsköpfen suchen in Archiven nach Zeugnissen der Menschheit, und Cyrus Golden, der Löwe, lenkt den Staat der drei Städte. Als ein übermächtiger Gegner die neue Gesellschaft bedroht, schickt er den Wolf Dimitri als Diplomaten aus, im einstigen Nordamerika einen Verbündeten zu suchen. Die Nachtfahrt über den Ozean und in die tiefen Stollen der Naturgeschichte lehrt den Wolf Riskantes über Krieg, Kunst und Politik und führt ihn bis an den Rand seiner Welt, wo er erkennt, »warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist«.
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Uwe Tellkamp, Der Turm

Zum Inhalt (Verlagstext): Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der »süßen Krankheit Gestern« der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze – oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der »roten Aristokratie« im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk »Ostrom«, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.
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Beide Romane sind Chroniken, Chroniken einer untergegangenen Zeit. Tellkamps Roman beschreibt eine untergegangene Epoche, Zeitzeugen leben aber noch. Daths Roman zeichnet eine Epoche auf, die noch vor uns liegt, aber im Roman schon untergegangen ist.
Daths Roman habe ich schon gelesen. Keine einfache Kost, was die Sprache und den Stil betrifft. Nach dem ‘Einlesen’ war ich aber so fasziniert, dass ich das Buch in zwei Tagen durchgelesen habe. Zwei Tage, an denen ich nicht arbeiten musste. Die Kritik von Burkhard Müller in der Süddeutschen teile ich nicht. Das Buch ist nicht einfach zu lesen, aber lesenswert. Stil und Sprache werden dem Thema gerecht. Und vielleicht ist es die zutreffende Chronik, die vor der beschriebenen Epoche fertig war.
Eine weitere Kritik: Literatur als Denkmuskeltraining Schluss mit der Wirklichkeit!
In Tellkamps Buch habe ich bisher nur geblättert. Auch kein einfacher Stoff, wie man so sagt und die knapp 1000 Seiten wollen auch bewältigt sein. Aber was ich angelesen habe, verspricht Einiges. Es würde mich nicht wundern, wenn dieses Buch den Preis gewinnen würde. Nicht, weil es angeblich der lang erwartete ‘Wenderoman’ ist, sondern wegen der literarischen Qualitäten.
Eine Kritik: Die Zeit ist des Teufels
Ich bin erstaunt, welche Bandbreite die Shortlist des Buchpreises hat. Das Buch von Dietmar Dath hätte ich nicht auf der Liste erwartet, ein mutiger Vorschlag. Tellkamps Buch gehört dort hin.
Lesenswert sind beide.